Anschläge lassen Bahn kalt: Rodungen fortgesetzt
Polizei Stuttgart sucht nach Brandstiftern - Kein Hinweis auf die Täter - Baumfällarbeiten im Schlossgarten nahezu abgeschlossen
Stuttgart (eh) - Die Vermutungen haben sich bestätigt: Sowohl der Kabelbrand, der am Freitag den Bahnverkehr in Stuttgart erheblich beeinträchtigte, als auch der Brand von Rohren für das Grundwassermanagement am Sonntagmorgen wurden vorsätzlich gelegt. Das haben die Ermittlungen der Polizei ergeben. Unklar ist weiter, ob die Brandstifter aus dem Kreis der Stuttgart-21-Gegner kommen. Ungeachtet der beiden Anschläge hat die Bahn ihre umstrittenen Baumfällarbeiten im Schlossgarten fortgesetzt.
Einen technischen Defekt oder Selbstentzündung hatten die Ermittler bereits unmittelbar nach den Taten ausgeschlossen. Wie Polizeisprecher Olef Petersen gestern mitteilte, ist nun sicher, dass es sich um Brandstiftung handelt. „In beiden Fällen hat der Brandmittelspurhund angeschlagen.“ Um welche Art Brandbeschleuniger es handle, sei noch offen. Ob beide Male möglicherweise die gleiche Substanz verwendet wurde, werde gegenwärtig untersucht. „Die Vermutung, dass ein Bezug zum Bahnprojekt Stuttgart 21 liegt nahe, lässt sich derzeit aber nicht belegen“, räumt Petersen ein. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 betonte mit Blick auf die Anschläge, die Gruppe lehne „entschieden jegliche Form von Gewalt und Sachbeschädigung ab“. Fakt ist, dass die Tatorte nicht weit voneinander entfernt liegen: Der umzäunte Baustellenbereich im Rosensteinpark, in dem die Rohre für das zentrale Grundwassermanagement zwischenlagerten, befindet sich nahe dem Rosensteintunnel, in dem Datenkabel der Bahn angezündet wurden. Ob beide Anschläge von denselben Tätern begangen wurden, stehe noch nicht fest. Eine konkrete Spur gibt nach Angaben des Polizeisprechers bislang nicht. Der Tatverdacht gegen einen Mann, dessen Wohnung am Freitag durchsucht wurde, habe sich nicht erhärtet, sagte Petersen. Spekuliert wird, dass die Anschläge mit dem Kahlschlag im Mittleren Schlossgarten zu tun haben. Seit dem vergangenen Mittwoch werden dort für den Bau des Tiefbahnhofes Bäume gefällt und verpflanzt. Ungeachtet der Vorfälle hat die Bahn die Arbeiten fortgesetzt. Etwa 90 Prozent von 106 Bäumen sind bereits abgeholzt, mittlerweile auch ein Drittel der 68 Bäume versetzt worden. „Die Baumaßnahmen kommen gut voran. Wir liegen mit den Arbeiten voll im Zeitplan“, betonte eine Sprecherin des S-21-Projektbüros. Bis zum 29. Februar, dem Ende der Vegetationspause, müssen die Arbeiten beendet sein. Über das weitere Vorgehen auf der Baustelle im Mittleren Schlossgarten will das Kommunikationsbüro in diesen Tagen informieren. Auch bei der Bahn stellt man sich auf eine schwierige Bauzeit ein. Derzeit würde in Abstimmung mit der Polizei geprüft, ob die Bahntochter DB Sicherheit zusätzliche Kräfte einsetzen muss, um das Baustellenareal noch besser zu sichern. Die Höhe des bei den Bränden entstandenen Sachschadens lässt sich nach Angaben der Bahn derzeit noch nicht konkret beziffern.An der Montagsdemonstration beteiligten sich gestern Abend laut Veranstalter 3800 Menschen. Die Polizei zählte gut 1000 Teilnehmer. Der Protest verlief weitgehend friedlich.




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