Hochglanz für die Bildungsoffensive
Kultusminister Helmut Rau investiert 2,5 Millionen Euro in eine Imagekampagne - die Opposition spricht von Wahlkampf
Stuttgart - Seine Bildungspolitik ist eigentlich ganz prima. Nur die Menschen, die haben es noch nicht begriffen. So sieht Helmut Rau das. Und um das zu ändern, ist der glücklose Kultusminister willens, viel Geld in die Hand zu nehmen. Gestern gab er den Startschuss für eine 2,5 Millionen Euro teure Imagekampagne. Das Ziel: Die „Qualitätsoffensive Bildung“, Prestigeprojekt der schwarz-gelben Landesregierung in der laufenden Legislaturperiode, soll weiterhin so viele Schlagzeilen machen wie bisher - nur zur Abwechslung mal gute. Er finde es „ein sehr legitimes Anliegen“ über die Bildungsoffensive zu informieren. Den Handlungsbedarf rechtfertigt er auch durch die Ergebnisse einer Umfrage, die sein Ministerium beim Berliner Forsa-Institut in Auftrag gegeben hatte: Von mehr als 1500 befragten Baden-Württembergern konnten 74 Prozent keine einzige bildungspolitische Neuerung nennen. Nur acht Prozent der Befragten war das Konzept der Werkrealschule präsent. Und sogar nur jeder Hundertste wusste, dass im Zuge der Bildungsoffensive der Klassenteiler sinkt, sprich: die Klassen kleiner werden.
Schmid: Durchsichtiges Manöver
Broschüren in Hochglanz, Veranstaltungen im Marmorsaal des Neuen Schlosses, eine schicke Internetseite und ein „mobiles Klassenzimmer“ im Stil eines Messestandes - so will der Kultusminister seine Politik künftig vermitteln. Rau hofft auf den großen Wurf - die Opposition, dass der Schuss nach hinten losgeht. SPD-Landeschef Nils Schmid, zugleich Finanzexperte der Sozialdemokraten im Landtag, sprach bereits in der vergangenen Woche von einem „durchsichtigen Manöver“ der Landesregierung mit Blick auf die Landtagswahl im nächsten Frühjahr. Gestern legte SPD-Bildungspolitiker Frank Mentrup nach: „Die jungen Menschen brauchen keine teure Werbekampagne, sondern Maßnahmen zur besseren individuellen Förderung“, forderte der Abgeordnete. Die Generalabrechnung der frustriert zurückgetretenen Vorsitzenden des Landeselternbeirats, Christiane Staab, sowie die „erschreckenden Nachhilfezahlen“ hätten erst jüngst wieder deutlich gemacht, wie viel in der Bildungspolitik im Südwesten im Argen liege.
Moritz: Zeugnis von Hilflosigkeit
Mentrup kündigte an, die SPD werde am Donnerstag bei der Beratung des Kultusetats im Landtag beantragen, die Mittel für die Werbekampagne zu streichen und stattdessen mit dem eingesparten Geld den Wiedereinstieg des Landes in die Schulsozialarbeit zu finanzieren. Auch die Lehrergewerkschaft GEW stellte den Sinn der Bildungsoffensive in Frage. „Es zeugt von Hilflosigkeit, wenn das Kultusministerium schon jetzt mit Steuergeldern Wahlkampf macht“, sagte die Landesvorsitzende Doro Moritz. Rau ficht die Kritik nicht an. „Es ist erkennbar, dass es nichts mit Wahlkampf zu tun hat“, sagte er und verwies auf einen „angemessenen zeitlichen Abstand“. Und überhaupt: Die Forderung, die 2,5 Millionen Euro für die Öffentlichkeitsarbeit besser in mehr Lehrerstellen zu investieren, sei angesichts des Gesamtvolumens der Bildungsoffensive von 530 Millionen Euro geradezu „eine kleinkrämerische Aufrechnung“.
www.qualitaetsoffensive-bildung.de




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